Von Körperspannung und labberigen Spaghetti

Von Körperspannung und labberigen Spaghetti

Allgemein

Wir Reiter sind ja immer auf dem Prüfstand. Primär, damit unser Reitlehrer nicht in der nächsten Stunde meckert, warum wir im Sattel hängen wie labbrige Spaghetti. Das kommt bei Trainern nämlich gar nicht gut an, also machen wir was anderes: Wir spielen Stock im Hintern und machen uns steif. Weil, das ist ja Körperspannung. So kann man Reiter meist schnell rausfinden, wenn man durch ein Büro geht. Reiter benutzen nämlich die Lehne ihres Bürostuhls nicht. Warum? Keine Ahnung. Wer sitzt gerade auch wieder so, dass er sich nicht anlehnt? Ich. Da sitzen wir dann mit unserem geraden Rücken, manchmal auch auf dem Boden. Alles nur, weil der Reitlehrer das so will, der alte Leuteschinder.

Es kommen Menschen vorbei: „Mensch, du sitzt aber gerade.“ Fällt uns schon gar nicht mehr auf. Selbst wenn wir sonst eher auf dem Pferd sitzen wie ein Marmeladeglas (rund, bunt, aber irgendwie auch echt langweilig, wenn es nur Erdbeere ist), machen wir ausgerechnet im Alltag unsere Spannungsübungen. Auch richtig ungesund. Na, noch jemand so ein Zähnezusammenbeißer wie ich? Wenn ich nicht aufpasse, dann lockere ich mich nicht, stehe angespannt an der Bahnhaltestelle, sodass ich mich zwingen muss loszulassen. Einfach, weil ich verinnerlicht habe, dass ich keine Spaghetti bin. Ommm …. keine Spaghetti.

Aber wisst ihr was? Mein Pferd ist noch viel mehr Spaghetti als ich! Das ist das Allerschlimmste. Wenn wir an einem Spaghettitag aufeinander prallen sind wir eine glibberige Wackelpuddingsymbiose, die auf dem ersten Hufschlag rumeimert und hofft, dass niemand zuguckt. Er spannt nix an, ich spanne nix an. Meine Beine labbeln, sein Wanst schwingt, irgendwann trabe ich leicht, damit keiner mehr was sieht. Zügel labbern, weil ich mir keine Körperspannung leisten kann, aber Hauptsache, im Büro saß ich wie ne eins.
Mozart ist nicht so Fan von: Bauchmuskeln anspannen, damit der Rücken hochkommt. Am liebsten lässt er untenrum alles frei schwingen, sogar den Schniedelwutz. Stelle ich mir ja sehr unangenehm vor. Ich kann ihn, mit richtigem Sitz natürlich davon überzeugen, dass eine gewisse Grundkörperspannung enorm hilft und mich oben drauf auch enorm glücklich macht. Wenn ich aber selbst im Spaghettimodus bin, dann geht das einfach nicht. So gar nicht.

Da schwabbeln die Zügel, da schwabbelt das Bein, da schwabbelt die Hüfte und das Pferd lässt auch alles schwabbeln. Kann halt nichts werden. Dann versucht man natürlich sich zusammenzureißen. Was dann nicht gesunde Körperspannung ist sondern mit dem Hintern Nüsse knacken und anschließendem Stock im Pöppes endet. Außerdem hat man noch zwei Baumstämme als Arme und ist so geschmeidig wie ein Ziegelstein. Wenn die runterfallen, brechen die durch. Ich warte darauf, dass es mal irgendwann ein Reiter im Panzermodus tut. Würde mich jedenfalls nicht wundern.

Was hat das jetzt zur Folge? Na, ganz klar: Das Pferd macht mit. Plötzlich knallt Beton auf Beton. Wir mit unserem Betonhintern auf den Betonrücken des Pferdes. Der Hals wird zur Eisenbahnschwelle und das Pferd gibt sich elastisch wie eine Waschmaschine. Nach ungefähr zwei Runden Reibung sind beide aus der Puste und gehen Schritt. Sind wohl der Meinung, dass Schritt sowas wie der Reset Knopf am PC ist. Bei dummen Pferden ja (Amöbenhirn Mozart … klappt fast immer), bei weniger doofen oder sehr nachtragenden: Nein.
Können natürlich jetzt aufhören. Also, wenn wir ganz allein für uns reiten.

Doof nur: Wenn der Reitlehrer noch da ist. Der wird sich nicht damit abfinden, dass seine Schützlinge heute einen unkompatiblen Panzertag haben und gegeneinander arbeiten, auch wenn sie beide von sich behaupten, es wäre ein Miteinander. Behaupten sie das zu hartnäckig, greift er auf hinterhältige Reitlehrertricks zurück, klaut Bügel, macht Hallenhalma und will dauernd so was wie: „Geschmeidig mitgehen“, oder: „Du musst mehr zum sitzen kommen.“

Anschließend tut dem Reiter alles weh, er hat nen Kieferkrampf und einen schmerzenden Rücken.
Trotzdem sitzt er am nächsten Tag wieder wie eine Eins auf seinem Bürostuhl und wie eine Spaghetti oder eine totgeschlagene Blindschleiche auf dem Pferd (denn jetzt tut ja alles weh!). Entspannt reiten ist halt gar nicht so einfach.

Foto: Die schon wieder. Nur Unsinn im Kopf. Irgendwann ist das Ponyhalfter hin.




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