Pferde muss man nicht reiten

Pferde muss man nicht reiten

Allgemein

… das ist einfach Fakt. Um sie aber zu reiten, MUSS man sie entsprechend arbeiten, damit das Tier keinen Schaden nimmt. Das ist auch Fakt. Auch um sie zu fahren, oder mit ihnen am Boden zu arbeiten, benötigen sie die entsprechende Muskulatur. All das hat nämlich erst Mal gar nichts mit Erlaubnis, Freundschaft und Vertrauen zu tun – die uns die Gurus so anpreisen, sondern mit Arbeit und Versttändnis für die individuellen Lernschritte des Pferdes.

Trotzdem sehe ich ständig Leute, die angeblich “Vorarbeit” geleistet haben, auf total krummen und unbemuskelten Pferden sitzen (gerne aber auch völlig verfettet – da werden dann Muskeln dazugedichtet) und sich gefreut, dass man jetzt ja endlich reiten könne, weil das Pferd es “erlaubt”. Draufsetzen kann man sich nach gewisser Vorarbeit allerdings auf jedes Pferd. Es reiten? Sicher auch … nur, es so zu reiten, dass es dabei auch gesund und munter bleibt: Das können sie dann alle wieder nicht.

Alles andere ist nämlich Arbeit. Aber einfach ein paar Tücher auf den Rücken legen und dann zu sagen: Uhhh, es akzeptiert das, ist keine korrekte Vorarbeit für ein Pferd, das einen Menschen tragen soll. Und das noch in allen Gangarten. Da muss schon ein bisschen mehr kommen. Trotzdem sehen wir merkwürdige Zirkuslektionen (Küsschen geben oder Kompliment), bevor irgendetwas an der tragenden Muskulatur gemacht wird – wenn das denn überhaupt je der Fall ist. Schließlich kennen wir alle die Ostwindelsen, deren Pferd ständig nur rumsteht und dann alle Jahre wieder zum Fotoshooting oder zum schönen Ausritt im Sommer rausgeholt wird.
Ansonsten steht es rum, wird vollgestopft und der Hängebauch mit: “Ach, der hat ja nur einen Weidebauch” wegdiskutiert.

Ich meine, die können ja selbst gerne verfetten (sich dann aber bitte ab einer gewissen Kilozahl nicht mehr aufs Pferd schwingen), aber das Pferd kennt da ja kein Maß für. Das weiß nicht, dass die dicke Wampe gesundheitsgefährdend ist und dass es dadurch schlichtweg schneller verschleißt – mal ganz salopp gesprochen, als wäre es ein Auto. Der Wanst gefährdet Sehnen und Knochen, Beine und Hufe, vom Rücken ganz zu schweigen. Dabei ist auch ganz egal, was uns manche Schwurbler erklären, aber das Pferd geht definitiv nicht hin und sagt: Oh, ich muss mal auf meine Schlanke Linie achten, heute mal Low-Carb. Ne, das sagt: Geil: All you can eat. Wir haben ja hier kein Steppengras, sondern Kalorienbomben-Mc-Donalds-Gras.

Die gucken dann auch immer ganz komisch auf Leute, die jammern, weil ihr Pferd nicht trainiert werden kann (und mittlerweile rollt). “Du willst ja nur reiten”, krakelen sie.
Nein – die Leute möchten nur nicht, dass alle Muskeln verschwinden und das Pferd dadurch Probleme bekommt. Mal davon abgesehen, dass ein normaler Reiter (selbst wenn er sein Pferd nicht reitet) kein fettes Pferd will. Weil es ungesund für das Pferd ist.

Nein, die Schwurbler klatschen sich auf die Schulter, sagen: “Pferde sind ja nicht zum reiten da”, machen trotzdem ihre “MAMA, GUCK MA, ICH KANN FREIHÄNDIG REITEN!” – ohne Zaum und im Wallakleid – Fotos und nicken dann wieder wissend. Immer diese: Trainings-Tanten. Die sind ja das Allerletzte. Geht denen immer nur ums Reiten. Dass das Pferd vom Training auch gesund bleibt, damit man es überhaupt reiten kann – das geht ihnen ganz und gar ab. Liebe und Vertrauen genügen. Was sind da schon ein paar Muskeln. Dieses langweilige Rumgereite auf dem Platz ist doch nur Quälerei.

Foto: Er nun wieder. Keine Ahnung, was er macht.