Diebstahl? Im Reitsport an der Tagesordnung

Diebstahl? Im Reitsport an der Tagesordnung

Allgemein

Ich kenne keinen Sport in dem mehr geklaut wird, als den Reitsport. Mal abgesehen davon, dass es natürlich auch professionellen Diebstahl von Sätteln und Pferden gibt, was sich einfach lohnt (Fußbälle klauen jetzt nicht so), so ist das aber auch beim stinknormalen Reiter an der Tagesordnung. Bei dem heißt das dann entweder: „Ich hab’s mir nur geliehen“ – aber nie zurückgebracht. Oder er war das gar nicht und hat keine Ahnung wie es dazu kommen konnte.
Gut, in anderen Sportarten ist man auch nicht unbeaufsichtigt mit dem Zeug allein. Aber klaut mal nem Tennisspieler seinen Schläger, wenn der gerade nicht hinsieht. Da ist der ganze Tennisclub in Aufruhr und vermutlich wird das riesiges Theater nach sich ziehen.
Wenn man im Stall hingegen sagt: „Meine Zügel sind weg.“ Hörste höchstens: „Ach, meine auch.“ Oder: „Blöd.“

Daran sieht man schon, wie normal die Klauerei ist. Niemand interessiert sich dafür. Es gehört scheinbar schon irgendwie dazu. Wenn man einen Futtersack neben der Box stehen hat, dann bekommt man nicht zu hören: „Wie furchtbar, die Klauerei nimmt echt Überhand.“ Sondern: „Selber Schuld, was stellst du den auch da hin, wo jeder drankommt.“ Hat was von Frauen, die unbedingt angetatscht werden wollten, weil ihr Rock zu kurz war. Bzw. der schwachsinnigen Aussage dazu. Darf mein Futtersack nicht neben meiner gemieteten Box stehen? Warum MUSS ich dafür Sorge tragen, dass niemand drangeht. Sollten nicht die anderen einfach nicht klauen? Das wäre doch eigentlich die sinnigere Forderung.

Natürlich wissen Reiter, was Dinge kosten. So wiessen sie vor allem, dass niemand wegen eines Hufkratzers ein Fass aufmacht, weil der 2,50€ kostet und da keinen Detektiv anheuert. Die Trovatos bleiben also vor der Tür. Dementsprechend kommt Kleinscheiß GANZ schnell weg. Stricke kosten auch nichts, Bürsten und Gerten sind auch nicht teuer – also muss man sich von denen ganz schnell verabschieden, wenn man nicht ständig wütend im Stall stehen will. Oder man muss sie markieren. Hilft aber nur bedingt, die Diebe sind nicht blöd. Weg kommt es auch markiert. Vor allem, wenn man die Markierungen entfernen kann.
Und Futter ist auch immer prima. Wer soll denn kontrollieren, wenn ich da mal eine Schüppe rausnehme? Machen dann zehn Leute und man selbst hat nach ner Woche nur noch einen halben Sack Futter. Kann aber natürlich nicht sagen, wer das war.

Und Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal den Hufkratzer genommen, der da rumlag, weil der eigene weg war (vermutlich auch geklaut)? Aber das macht eben da oft nicht Halt. Reithelme … kann man die Uhr nach stellen, wann die weg sind, wenn man den EINMAL da liegen lässt. Mir selbst sind schon zwei Helme geklaut worden (einer aus dem Spind, den anderen habe ich tatsächlich dummerweise am Platz liegenlassen), nur bei meinen Rennhelmen traut sich das keiner. Hätte ich das mal zu Anfang meiner Reitkarriere gewusst. Obwohl … warum kauf ich überhaupt einen? Kann man ja einfach mitnehmen. Wird aber schwer bei meinem Bollerschädel. Mir passt ja nichts.

Tja, was hilft nun dagegen? Nix. Obwohl man einfach mal darauf pochen könnte, das Klauerei auch von Futter oder Fliegenspray kein Kavaliersdelikt ist, sondern es nervt und unnötig Geld kostet. Ist halt doch was anderes, ob ich das jeden Monat neu kaufen muss oder alle drei, so wie das sonst wäre, wenn nur ich alleine es benutze. Und fragen, ob man etwas benutzen darf, ist eh schon immer out gewesen. Übrigens auch früher. Früher war alles besser? Nö. Geklaut wurde da auch schon. Und warum? Aus Bequemlichkeit. Ist halt viel einfacher sich mal am Putzkoffer des anderen zu bedienen, wenn der eigene nicht auffindbar ist. Zurücklegen ist dann nur was für Mimis. Macht echt Spaß manchmal im Stall. Wo man nicht das Pferd mit Ketten sichern muss, sondern sein Zeug.

Foto: Kann ja nicht mal stehenbleiben, muss immer näherkriechen wenn ich ihn fotografiere.

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