Mozart und die Sprünge

Mozart und die Sprünge

Allgemein

Mein Pferd springt. Das hat ihm mal irgendwer auf seinem Weg von England nach Deutschland beigebracht. Ein typisches – naja, auf der Flachen ist er nicht so doll, springen wir den mal – Pferd. Offensichtlich hat derjenige absolut einen Nerv getroffen, denn mein Pferd liebt springen. Nur eben … auf seine Weise. Rennpferduntypisch darf man ihn übrigens sehr langsam an Sprünge reiten, da diskutiert er gar nicht groß. Nur alleine lassen darf man ihn nicht, dann ist er so verunsichert, dass er spektakuläre Richtungswechsel einbaut. Wer also gern mal vergisst im Parcours zu atmen oder zu lenken, der darf sich darauf einstellen, am Ende in Buxtehude, statt im Ziel zu landen.
Jetzt denkt man sich: Ja, super … Springpferd … nun. Mein Pferd hat da ein Problem.

Er hat keinerlei Respekt vor Hindernissen. Er KANN hoch springen, ja. Problemlos auch über den Zaun (ich habe es live und in Farbe gesehen). Es ist also nicht das Können, was ihn limitiert, sondern die Faulheit und die Tatsache, dass er einfach gelernt hat: So ein Sprung gibt ja nach. Schließlich wissen wir: Hindernisse beim Hindernisrennen sind nicht so fest wie sie aussehen. Im Worst Case holt man sich mal ne Schramme vom Gestrüpp, aber ansonsten kann man da durch marschieren, als wäre man ein Panzer. Was einmal in diesem schwammigen Pferdehirn ist, bleibt da auch (das habe ich bereits bei vielen Gelegenheiten feststellen müssen). Ergo: Der rumpelt auch zehnmal übers Cavaletti – es wird nicht besser. Man kann es ihm richtig ansehen: “Oh, aua! Was soll das?” Statt beim nächsten Mal aber die Füße zu heben sagt er: Es kann nur einen geben, und rumpelt wieder das Cavaletti platt – nur um dann wieder zu sagen: “Oh, aua, was soll das?”

Auch klassisch: Die eine Stange in der Bahn. Wie oft der einfach da drauf trampelt. Meine Reitbeteiligung fragte mich letztens, ob ich mal den Tierarzt kommen lassen kann, vielleicht sähe der nicht richtig. Konnte ich aber verneinen, nachdem er mal sehenden Auges mit dem Apfelbaum kollidiert ist, habe ich mich das auch gefragt und den Tierarzt gleich mit. Am sehen liegt es nicht. An seiner Koordination auch nicht. Balancieren kann er sich auch (wenn er denn will und den Körper nicht als labbelndes, nudelartiges Anhängsel seines Kopfes sieht). Er denkt nur – naja, eigentlich ist das nicht schlimm, wenn man auf die Stange latscht. Es hat sicher nicht zu seiner Denkweise beigetragen, dass wir vorher keine massiven Stangen, sondern nachgiebige Weichplastikdinger hatten. Hätte mir denken können, was er wieder daraus macht …

Mit Reiter passt er besser auf. Da geht es dann mit der Stange und dem Sprung. So Mittel. Dennoch hebt er oft genug einfach nicht die Füße. Nach dem Motto: Passt nicht, na, dann gehen wir mal durch. Ein Elefant im Parcours. Wenn er hingegen alleine ist und seine fünf Minuten bekommt, rast er in unkontrolliertem (gefühlt) Galopp durch die Bahn und springt alles ohne auch nur anzuschlagen. Dafür braucht man ihn auch nicht scheuchen. Nicht mal anwesend sein. Blick aus der alten Futterküche: Ah, DESWEGEN ist das Pferd so verschwitzt, es springt beständig über unsere Minibande am alten Reitplatz. Die ist jetzt weg. Findet er sicher doof.

Allerdings ist da auch noch die andere Sache: Sprünge springen, wenn man das soll. Allein ist cool. Mit Reiter aber erst mal eine Diskussion. Wie? Da rüber? Hallo, so was kann ich gar nicht. Das mache ich auch gar nicht. Ist mir zu unseriös. Ach, Springen? Ja, das kann ich. Juhu! Trotzdem wird er jedem erst Mal verklickern, dass er diese Stange zum ersten Mal sieht. Weiß auch nicht genau, was da in seinem Kopf vorgeht. Wahrscheinlich ist er wie die Leute, die gut singen können, aber nur unter der Dusche. Vor Publikum kriegen die keinen Ton raus.

Foto: Ich habe mich ernsthaft gewundert, warum der immer so nass ist, wenn man ihn reinholt. Bis ich das dann beobachtet hab …