Training mit Todesfolge – ein Kommentar

Training mit Todesfolge – ein Kommentar

Allgemein

Bestimmt habt ihr das Video schon gesehen, es kursiert in den meisten Pferdegruppen. Und es zeigt wirklich wirklich unheimliche Bilder. Unheimlich vor dem Hintergrund, dass dieses Pferd nicht mehr lebt. Und zwar aufgrund der letzten Sequenz des Videos, die hier großzügigerweise geschnitten ist. Tod durch Training. Für so was richtig Sinnloses. Nicht mal Geldgeilheit könnte man hier unterstellen, wie z.B. beim Barren, wo es darum geht, dass Pferde höher Springen und daher eher gewinnen. Nein, da stirbt ein Pferd für nichts anderes als Selbstbeweihräucherung … denn es muss ja einen Zirkustrick können. Nichts hat man davon, wenn das Pferd das kann. Nicht, dass ich Barren verteidigen würde, aber das kann ich noch irgendwie „verstehen“ … wenn man ein schlechter Mensch ist und Kohle mit seinen Pferden machen will – ja, dann ist das Mittel zur Wahl. Kompliment … ja … wofür ist das da? Meist um bei Facebook anzugeben. Kohle als Motiv – verstanden. Angeben mit Kompliment? Nicht verstanden. Vielleicht bin ich auch ein bisschen doof und kann nicht folgen.

Ich frage mich viele Dinge, wenn ich das sehe. Wie ein „Pferdemann“ der Kurse gibt, nicht sehen will (oder kann), dass das Pferd hier zum letzten Mittel der Wahl greift. Das Unheimliche – ich sehe hier eins zu eins eine Reaktion meines Pferdes. Der warnt auch nicht mehr, übergeht sämtliche Alarmstufen, weil ihm da mal einige nette Herren beim Satteln fies mitgespielt haben und wenn er sich nicht mehr zu helfen weiß, macht er genau das. Nie würde ich das forcieren. Sobald ich merke, der geht in diesen Modus (und es kommt mittlerweile noch so alle 2 Jahre mal wieder vor), dann breche ich ab, lenke ab und verlange etwas anderes. In der Situation ist das Pferd ja nicht aufnahmefähig. Es greift in Überforderung und Angst zum letzten Mittel. Was wird es da wohl lernen?

Dann frage ich mich, wie man als Zuschauer da nichts sagen kann. Als Besitzer, als Reitbeteiligung (so ganz steige ich immer noch nicht durch, wer da zugegen gewesen sein soll), als Helfer … als Kursteilnehmer. Gut, die sind entschuldigt, die üben im Hintergrund, ich verfolge dann auch nicht jede Bewegung in derselben Halle. Aber irgendwie … also nein, da machen sich alle durch Trainerhörigkeit strafbar. Wenn der das sagt ist das okay? Wie kommt man darauf? In wessen Kopf sind da die Synapsen falsch geknickt? Sorry, aber selbst meine jahrelange Reitlehrerin … die dürfte so was nicht vor meiner Nase machen. Obwohl ich der immer vertraut habe. Bis zu so einer Situation – da würde es dann auch aufhören.
Wie kann man als Helfer hier agieren? Wie kann man als „Trainer“ so schlechtes Timing haben? Nicht einmal gibt er vernünftig nach, nicht einmal tritt ein Lerneffekt ein, nur Verzweiflung seitens des Pferdes.

Vom Trainer wollen wir gar nicht erst anfangen. Der hat sich ja schon selbst disqualifiziert, als er behauptete: Man habe ihm einen Steiger untergeschoben. Na, mal ehrlich, jedes Pferd, dass bei diesem Gebaren nicht steigt, das verdient einen Oskar und nicht das Prädikat – uh, böser Steiger. Echt, wie man so wenig Feingefühl haben kann, das ist mir unbegreiflich. Der Mann sollte Planierraupe fahren, nicht mit Pferden sinnlose Kunststücke mit aller Macht erarbeiten.
Ich habe übrigens nichts gegen sinnlose Kunststücke. Ich habe was dagegen, für Sinnlosigkeiten ein Pferd umzubringen. Nichts anderes war das. Das wurde in Kauf genommen. Bei einem Überschlag, den ich nach dem ersten Mal erneut provoziere, muss ich doch darauf kommen, dass da wirklich was passieren kann. Genickbruch, Widerristbruch, etc. Will man nicht alles dafür tun, dass sich ein Pferd nicht derartig gefährdet? Scheinbar nicht. Auf keiner Seite. Weder Trainer, noch Helfer, noch Zuschauer, noch Besitzer.

Ne, echt … nichts davon ist für mich nachvollziehbar oder entschuldbar. Ist halt doof, dass heutzutage einfach jeder filmen kann, so ein Handy ist eben immer dabei. Und in dem Fall war es wirklich gut. Man sieht was passiert ist. Das kann man nicht schönreden. Unter keinerlei Umständen, nicht mal mit ner Menge Hasch. Oder was Stärkerem. Das Pferd ist so lieb! Guckt euch das doch mal an. Weniger nette Exemplare hätten sich gegen den Menschen gewendet. Das hier wollte sich nur irgendwie aus seiner völlig hilflosen Lage befreien.

Und es bringt mich zur Frage: Warum müssen Pferde auf Teufel komm raus, manche Dinge erlernen, die ihnen offenbar keinerlei Spaß machen? Warum müssen sie solche Sinnlosigkeiten mitmachen? Wenn mein Pferd das Kompliment nicht verstehen möchte, vielleicht, weil ich unfähig bin, es ihm beizubringen, dann lebt er halt ohne Kompliment. Wenn mein Pferd nicht springt, weil ihm das nicht geheuer ist, dann springt er eben nicht. Wenn mein Pferd nicht versteht, dass es im Rennen vor den anderen sein soll, dann geht es halt keine Rennen mehr. Wenn es für Dressuraufgaben nur ein müdes Kopfschütteln hat, dann ist es kein künftiges Dressurpferd. Schließlich sind, außer richtigem Reiten (oder richtiger Handarbeit), sowie absolutem Gehorsam bei Schmied und Tierarzt, die anderen Dinge nur die Kür, nicht die Pflicht. Ein Pferd macht allerdings vieles mit, weil es neugierig ist, weil es Spaß an vielen Dingen haben kann. Weil es gerne einer Aufgabe, einer Berufung nachgeht. Aber hier?
Spätestens beim deutlichen Signal (Überschlag Teil 1) muss ich doch verstehen, dass es so nicht geht. Dass mein Ansatz falsch ist und ich das Pferd gerade dermaßen in die Enge getrieben habe, dass es sich nicht mehr zu helfen weiß. Wir reden ja hier nicht von einer kleinen, bockigen Widersetzlichkeit. Sondern von der letzten Maßnahme, die dem Pferd noch bleibt – denn weglaufen kann es nicht mehr.

Foto: Guten Tag, der Esel ist da.




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