Ein (eventuell nicht ganz ernst gemeinter) Guide für Nichtreiter-Eltern

Ein (eventuell nicht ganz ernst gemeinter) Guide für Nichtreiter-Eltern

Allgemein

Ihr Kind hat sich als Hobby das Reiten rausgesucht? Herzlichen Glückwunsch. Dann gehören Sie auf jeden Fall jetzt in den Augen der anderen Eltern zu den Reichen. Denn nur reiche Leute reiten. Hält sich hartnäckig, stimmt aber natürlich nicht. Auch für einen vergleichsweise kleinen Betrag kann man sein Kind in der Reitschule anmelden – auch mit gutem Unterricht. Muss man nur ein bisschen Preisvergleich machen.
Allerdings bedeutet das jetzt auch, dass Sie, liebe Eltern, sich an ein paar Dinge gewöhnen müssen, die künftig für die Kleinen wichtiger sind als so profane Dinge, wie: Saubere Schuhe, Pünktlichkeit und ein schöner Glitzerpulli.
Um Ihnen das ein wenig zu erleichtern, gibt es diesen Guide. Und Sie sind echt nicht alleine, selbst wenn bei anderen Leuten die Kinder eventuell schon volljährig sind.

1. Merken Sie sich Pferdenamen! Die lieben Kindlichen kommen nämlich spätestens nach dem dritten Mal vom Reiten wieder und erzählen dann so was wie: „Die Fliederfee ist mein Lieblingspferd und die Natascha hat heute den Warschau geritten und ich durfte dann auch noch fünf Minuten auf die Waganaki.“
Sie MÜSSEN wissen, wer das ist. Echt jetzt. Sagen Sie nachher so Sachen wie: „Bist du denn nicht die Fliederfee geritten?“ Dann sagt das Kind ganz empört: „Aber Mama, Fliederfee ist doch nur für Anfänger und Kinder, ich reite ja die Alchemistin.“

2. Verstehen Sie, wenn das Kind nicht erst eine halbe Stunde vorher in den Stall will!
Das hat übrigens gar nichts damit zu tun, dass Ihr Kind nicht bei Ihnen sein will, sondern damit, dass Kinder gerne Zeit mit Pferde putzen verbringen. Und Pferde betüddeln. Und in manchen Reitstunden herrscht das Prinzip: Wer zuerst kommt, kriegt das Lieblingsschulpferd. Und glauben Sie mir, wenn das Kind dann mal nicht die Alchemistin reiten darf, dann haben Sie nachher ein Problem. Nicht das Kind. Das Gejammer will niemand.

3. Haben Sie Plastiktüten im Auto!
Sofern Sie zeitnah irgendwann vom Hof kommen wollen, wenn Sie Ihr Kind abholen. Denn wenn Sie ihm so was sagen wie: „Aber Schuhe saubermachen, bevor du abgeholt wirst“, funktioniert das sowieso nie. Nicht, weil sich Ihr Kind nicht daran halten will, sondern, weil es im Stall eben dreckig ist. Sehen Sie es mal so – wir Erwachsenen schaffen es ja schon kaum mit sauberen Schuhen, selbst dann, wenn wir sie abduschen, ins Auto zu steigen. Denn so ein Wasserschlauch befindet sich ja meist in der Stallgasse. Aber um dort hinzukommen (und von dort weg) geht es meist trotzdem durch Pfützen, Sand und Schlamm – gerade im Winter. Kinderfüße in Plastiktüte und gut. Kann man Zuhause dann vor der Tür ausziehen.

4. Kaufen Sie Ihrem Kind eine Reithose!
Jetzt sagen Sie: Warum sollte ich das tun? Gerade, wenn es frisch angefangen hat, da weiß man ja noch überhaupt nicht, ob es dabei bleibt und eine Leggins tut es doch auch. Nein, die tut es nicht. Wissen Sie warum? Weil dem Kind auffallen wird, dass alle anderen eine haben, nur es selbst nicht. Und das ist nicht schön. Kinder möchten ja auch gerne dazugehören. Und wissen Sie, früher war das vielleicht ein furchtbar teures Unterfangen – effektiv ist es das aber nicht mehr, man bekommt ja sogar Reithosen mittlerweile beim Discounter. Eine günstige tut ihren Dienst genauso. Dem Kind geht es nicht um die Marke. Sondern um das Signal: Ich reite ernsthaft. Dasselbe gilt übrigens für Fahrradhelme, die sowieso nur eine Übergangslösung darstellen sollten.

5. Markieren Sie die Sachen Ihres Kindes!
Sonst ist der teure Reithelm ganz schnell Futsch. Kinder sind halt auch manchmal nur Amöben mit zwei Beinen und lassen vor allem alles liegen und zweitens: Nehmen sie, wenn sie dran denken, dann eben einen Helm mit. Weil das der Auftrag ist: Kind: Hol Helm! Respektive den eigenen Helm, aber die rennen trotzdem zehn Mal mit andererleuts Helmen herum. Oder andererleuts Gerten. Oder andererleuts Handschuhen. Oder andererleuts Pferden.

6. Verbieten Sie Sachen – es nützt sowieso nichts!
Jaja, Kind soll nicht ins Gelände, Kind soll nur unter Aufsicht ans Pferd, aber wissen Sie was? Sie haben im Stall gar nichts zu melden. Und Ihr Kind wird all die Dinge tun, die verboten sind. Weil Sie keinerlei Fachkompetenz im Bezug auf Pferde haben und damit niemand sind, der etwas verbieten könnte. Wenn also der Reitlehrer sagt: „Hol mal Pferd Gertrude aus der Box“, dann tut das Kind das auch. Ganz egal, was Sie vorher über fremde Pferde gesagt haben, die Sie eh nicht einschätzen können. Das weiß das Kind und wird es gnadenlos ausnutzen. Übrigens: Kinder machen gruselige Dinge, die Parkbänke als Hindernisse, Ponys ohne Sattel und Gummischlangen involvieren. Fragen Sie manchmal also einfach nicht zu genau nach. Hat jeder Reiter irgendwann mal gemacht. Kein Grund zur Sorge.

7. Sie brauchen nicht immer dabei sein!
Ihr Kind zeigt Ihnen zwar gerne, was es kann. Aber Sie müssen gar nicht quengelnd, mit Blick auf die Uhr, jede Reitstunde dabeisein. Denn so ein Kind tut im Stall noch tausend andere Dinge als reiten. Und da muss Mama nicht dabei sein. Nicht, weil das, was sie tun schlimm wäre – im Gegenteil. Aber es braucht Sie da einfach nicht. Kinder gibt man nach wie vor am besten einfach ab und kommt immer mal mit, wenn sich das Kind den Besuch wünscht. Oder haben Sie Bock, 20 Schulpferde mit 2 Kindern alle einzeln von der Weide zu holen?

Foto: Das Matschschwein und das Wetter …




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