Am Ende des Tages …

Am Ende des Tages …

Allgemein

zählen ja eigentlich nur du und dein Pferd. Und dass du weißt, dass dein Pferd zufrieden ist. Das ist nicht sonderlich einfach in der heutigen Zeit, weil ständig jemand neue Erkenntnisse in die Welt rausschreit (wir erinnern uns: Plötzlich darf man ja keine Eisen mehr haben, kein Gebiss mehr nutzen, nicht mal mehr mit Stroh einstreuen und überhaupt, wer nicht mindestens eines dieser Gadgets hat, ist kein guter Reiter). Daher ist man prinzipiell ständig irgendwelchen Reizen ausgesetzt, die ständig gegen das eigene Handeln schießen.
Da muss man nur mal wie bestellt und nicht abgeholt auf die Bahn warten, die einfach nicht kommen will und in der Langeweile kauft man ne Pferdezeitschrift. Blöd. Danach hat das Pferd zehn komische Krankheitsbilder und der nächste Pferdehandel wird angesteuert, weil man Futter kaufen soll und nach möglichkeit auch noch Reithalfter Y.

Deswegen möchte ich heute mal auf etwas aufmerksam machen, was viele Leute dabei übersehen: Da verdient jemand Geld mit. Und das seid natürlich NICHT ihr! Es werden nicht zwingend aus der Liebe zum Pferd 1000 Reitweisen jede Woche erfunden, es wird nicht zwingend aus besserem Anatomieverständnis und daraus resultierender Rittigkeit ständig neue Zäumungen auf den Markt geschmissen und es wird auch nicht der dreizehnte Kurs bei Guru XYZ veranstaltet, weil das so herzensgute Menschen sind, die vor allem dem Pferd was Gutes wollen: Nein, die wollen auch vor allem eins: Geld! Das schnöde Geld.
Kann ich auch an mir als Beispiel erläutern.

Denkt ihr, die Zeitschrift „Mein Pferd“ verlost mein Buch, weil sie es vorher gekauft haben und das so cool fanden? Nein, die fragen natürlich an. Und ich – ich bin ja immer noch Sales Manager – ich sage natürlich ja: ich wäre doch bescheuert wenn ich das nicht mache. So ist es aber mit all den anderen Dingen auch. Es ist immer ein geben und Nehmen, es ist eine Marketing-Maschinerie, die durch Medien, Soziale Medien und Mundpropaganda weitergegeben wird. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Du gibst mir was, ich geb dir was – alle sind happy. Aber das mache ich ja nicht, weil ich einfach gerne Sachen verschenke – tu ich zwar auch, aber ich bin halt nicht Krösus und verdiene leider auch damit nicht meinen Lebensunterhalt. Ich verspreche mir davon natürlich Werbung für mein Buch. Ist ja wohl logisch.

Nur haben so viele Gurus, so viele Accessoirs es mittlerweile viel einfacher, als dass sie so ein schnödes Tauschgeschäft eingehen: denn es gibt ja diese Terrierreiter, die sich an Andersreitenden festbeißen, bis sie die Leute von Sattel X, Trense Y und Reitkurs Z überzeugt haben. Das ist super … es ist vor allem eins: Gratis-Werbung. Echt, bessere Werbung kann man nicht haben. Leider ist das den Leuten aber manchmal gar nicht klar, was sie da promoten. Da versucht zum Beispiel einer allen ein Sidepull anzudrehen, obwohl das gar nicht für permanente Anlehnung gedacht ist und dann reiten reiten damit alle munter in Anlehnung. Das ist der Worst Case. Der nächste Worst Case ist, dass da jemand verdammt viel Geld mit verdient, aber genau dieses Sidepull Modell vielleicht einfach nur eins ist wie alle anderen, auch wenn es mit irgendwelchen Sonderfeatures beworben wird wie: Jetzt noch glatter! Jetzt noch schöner! Wow. Hätte man natürlich auch für 30 Euro aus dem Raiffeisenmarkt haben können, aber das geht ja nicht.

Die Leute wissen doch, dank der immer neuen belehrenden Artikel in Zeitschriften und den sozialen Portalen kaum noch, was sie kaufen dürfen/müssen/sollen … Und dann kommen da diese Terrierreiter, verbeißen sich in Waden und kläffen irgendwen an. Ganz ohne dass sie dafür Geld kriegen … das finde ich schon kurios. So geil kann ich ja niemanden finden, als dass ich so biestig auf Menschen losgehe, die jetzt keinen Sattel X haben. Schon mal gar nicht, ohne für so üble Kaltakquise Geld zu bekommen.
Lasst euch von den Terriern nicht belabern. Die haben nur nicht erkannt, dass sie gratis Werbetafeln sind, ohne die kaum ein Guru oder eine Mode auskommt. Lasst sie machen. Aber fallt nicht drauf rein. Die merken einfach nur nicht, dass sich jemand anderes mit ihrem Glauben die Taschen vollmacht.

Lasst mich euch also zum Abschluss noch eine Anekdote dazu erzählen. Ich war irgendwann mal mit einer Gruppe Reiterinnen unterwegs auf irgendeiner Equitana. Wir sahen eine Veranstaltung, ich weiß nicht einmal mehr, was es genau war und da sagte ich: „Mensch, das würde meiner nie machen.“
Prompt riss da eine meiner Begleiterinnen die Augen auf und kam ganz dicht (Kampfredner … ich finde ja nichts gruseliger, außer Leute, die einem dann dabei noch die Hand irgendwohin legen … LASST DAS!) „Das ist weil dein Pferd dir nicht vertraut, sagt Guru ABC!“
„Öh … doch, aber das mag der nicht so gern.“
Anschließend durfte ich mir ZWEI Stunden anhören, was Guru ABC denn so Geiles macht, dass sie wahrscheinlich schon nen feuchten Schlüpper hatte. Ich hatte also zwei geschlagene Stunden eine Dauerwerbesendung neben mir herlaufen.
Ich frage also: „Bekommst du dafür Geld, dass du das sagst?“
„Nein, wieso?“
„Aber du hast Eintritt für die Equitana bezahlt.“
„Ja.“
„Dann hast du jetzt Geld dafür bezahlt, dass du zwei Stunden Werbung für jemanden machst, der dir kein Geld dafür gibt. Ist das nicht albern?“
„Hm …“
Immerhin war ich anschließend die Dauerwerbesendung los.

Foto: Making of – mit Morwen Fotografie. Pferd und Schleife werden keine Freunde mehr.




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